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18.10.2026

FiddlePad: ein Notizbuch zum Ausprobieren

Text und Code in einer Datei, Zelle für Zelle ausführen – mit eigener Datenbank, live entstehender Seite, Go und PHP. FiddlePad ist mein Notizbuch zum Lernen, für den Rechner und fürs Tablet, und es ist Freeware.

Die acht Zelltypen von FiddlePad als bunte Klebezettel: Text, SQL, CSV, HTML, CSS, JavaScript, Go und PHP

Ich habe ein neues Spielzeug – und diesmal ist es wirklich eins. FiddlePad ist ein Notizbuch, in dem Erklärungen und Code nebeneinanderstehen und sich Zelle für Zelle ausführen lassen. Wer Jupyter kennt, erkennt die Idee wieder. Nur geht es hier nicht um Python und Datenanalyse, sondern um das, womit man beim Programmierenlernen meistens anfängt: HTML, CSS, JavaScript und SQL. Go und PHP sind auch dabei.

Warum noch ein Notizbuch?

Am Anfang stand eine einfache Frage: Wie würde ein Werkzeug aussehen, mit dem Informatik-Studierende die Grundlagen ausprobieren können, ohne vorher einen Abend lang Software zu installieren? Kein Webserver, kein Datenbankserver, keine Node-Version, die gerade nicht passt. Ein Programm starten, eine Datei öffnen, loslegen.

Und ehrlich gesagt wollte ich es auch für mich selbst: Auf langen Zugfahrten ist ein kleines Notizbuch, in dem man mal eben einen Join ausprobiert oder eine Seite zusammenbaut, genau das Richtige. Offline, versteht sich.

Eine Datei, alles drin

Ein FiddlePad-Dokument ist eine ganz normale Markdown-Datei mit der Endung .fiddle. Text ist Text, Code steht in Code-Blöcken, und die Sprache im Block entscheidet, was passiert:

  • In einer CSV-Zelle stehen Daten, die zur Tabelle werden.
  • In einer SQL-Zelle steht eine Abfrage, und ihr Ergebnis erscheint direkt darunter.
  • HTML, CSS und JavaScript bauen gemeinsam eine Seite auf, die rechts daneben live entsteht.

Das Wichtigste daran: Die Datenbank wird aus dem Dokument aufgebaut, jedes Mal von vorn. Es gibt keinen versteckten Zustand, keine gespeicherten Ausgaben, die nicht mehr stimmen, und kein „bei mir geht’s aber“. Wer eine Übung weitergeben will, schickt die Datei – und wer sie bekommt, drückt „Alles ausführen“.

Selbst Bibliotheken passen in die Datei. Ein import mit Paketnamen genügt; FiddlePad lädt das Paket einmal, bündelt es und bettet es ins Dokument ein. Danach läuft die Datei auch ohne Internet.

Die Datenbank zum Anfassen

Beim Lernen von SQL fehlt mir oft der Blick in die Daten. Deshalb hat FiddlePad einen Datenbereich mit Tabellen, einem ER-Diagramm und – mein Lieblingsteil – dem Stand nach jeder Zelle. Man kann zurückblättern und sehen, was ein UPDATE oder DELETE tatsächlich verändert hat.

Bearbeiten lässt sich die Datenbank auch per Klick: Werte im Raster ändern, Spalten anlegen, Primär- und Fremdschlüssel setzen. Nur schreibt FiddlePad dabei nicht heimlich in die Datenbank, sondern erzeugt eine SQL-Zelle im Dokument. Das Dokument bleibt die Wahrheit, und nebenbei sieht man, wie die Änderung in SQL aussieht. Dass SQLite einen Primärschlüssel nicht per ALTER TABLE setzen kann und die Tabelle dafür neu aufgebaut wird, steht dann gleich als Kommentar darüber.

Schritt für Schritt

Ein ▶ an jeder Zelle führt genau diese Zelle aus. Fehlen davor noch Zellen, laufen sie mit, und die Datenbank springt auf den Stand vor der Zelle – so wird eine Änderung nicht doppelt angewendet, wenn man eine Zelle noch einmal ausführt. Zellen weiter unten werden als veraltet markiert. Damit lässt sich ein Dokument in Ruhe nachvollziehen, ohne dass einem der Überblick verloren geht.

Go und PHP

Go war eigentlich gar nicht geplant. Aber zum Lernen der Syntax braucht man keinen Compiler, ein Interpreter reicht: FiddlePad nutzt Yaegi und prüft den Code vorher mit dem echten Go-Typprüfer, sodass die Fehlermeldungen so aussehen wie beim Compiler. Über fiddle.Query – oder ein ganz normales *sql.DB – geht es in dieselbe Datenbank.

Für die Medieninformatik gehört PHP dazu. Es läuft als WebAssembly direkt in FiddlePad, wird bei Bedarf mit einem Klick eingerichtet und arbeitet mit echtem PDO auf der Dokument-Datenbank. Die Ausgabe erscheint als Text oder wird Teil der Seite.

Was es dagegen bewusst nicht gibt: Server-Zellen mit Node oder Deno. FiddlePad soll ein Notizbuch zum Ausprobieren bleiben. Wer ernsthaft einen Server baut, ist mit einem richtigen Editor besser bedient.

Am Rechner und auf dem Tablet

FiddlePad ist ein Desktop-Programm, gebaut mit Go und Svelte auf Wails v3. Mehrere Dokumente liegen als Reiter nebeneinander, eine Suche findet Text in allen zuletzt geöffneten Dateien, und das Design folgt hell oder dunkel dem System.

Die größte Freude hatte ich aber am Tablet: FiddlePad läuft auch auf Android-Tablets, mit dem Dateiauswahldialog des Systems zum Öffnen und Speichern. Ein Tablet mit Tastatur-Cover und ein .fiddle-Dokument – mehr braucht es für eine Lerneinheit im Zug nicht.

Freeware

FiddlePad ist Freeware: kostenlos nutzen und unverändert weitergeben, privat, in Schule, Studium und Beruf. Es gibt Versionen für Windows, macOS, Linux und Android, ohne Zusatzsoftware – unter Linux genügt eine aktuelle Distribution.

Alles Weitere, Screenshots und die Downloads gibt es auf der eigenen Seite: fiddlepad.illusionforge.rocks. Viel Spaß beim Ausprobieren!